Gewalt gegen Frauen geht alle an!

Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Alle Menschen haben ein Recht auf Leben ohne Gewalt und Diskriminierung. Gewalttätiges Verhalten steht bei uns generell unter Strafe, es ist ein krimineller Akt.

So will es das Gesetz.

Und trotzdem

  • Gewalt ist für viele Frauen alltäglich. Sie findet weltweit und in allen Kulturen statt. Sie kommt in allen gesellschaftlichen Schichten vor, unabhängig von Einkommen, Bildungsstand und gesellschaftlichem Status.
  • Der Tatort ist oft die eigene Wohnung. Häusliche Gewalt gegen Frauen findet also statt im vermeintlichen Schutzraum der eigenen vier Wände.
  • Der Täter ist in 97% aller Fälle der Ehemann oder der Lebenspartner. Insgesamt erfährt fast jede dritte Frau Gewalt durch ihren Mann/Partner. Frauen werden fünfmal häufiger Mordopfer ihres Mannes als umgekehrt. Das höchste Risiko für eine Frau, ermordet zu werden, liegt während der Zeit, in der sie sich von ihrem Misshandler trennt.

Häusliche Gewalt gegen Frauen hat verschiedene Gesichter

  • Körperliche Gewalt wie schlagen, treten, würgen, fesseln, Verletzungen zufügen.
  • Psychische Gewalt wie einschüchtern, drohen, beleidigen, Angst machen, kontrollieren.
  • Sexuelle Gewalt als besondere Form der psychischen und/oder physischen Gewalt, die von Frauen in spezieller Weise als verletzend oder erniedrigend erlebt wird.
  • Soziale Gewalt wie Arbeitsverbot oder -zwang, Einsatz von Geld als Druckmittel. Kinder werden häufig Opfer der Gewalt und werden als Druckmittel gegen die Partnerin benutzt

Über die Ursachen der Gewalt gibt es unterschiedliche Mythen

  • Sie verharmlosen die Tat und entschuldigen den Täter: „er schlägt nur, weil er getrunken hat“, „er war im Stress, da ist ihm die Hand ausgerutscht“.
    Aber: Trunkenheit oder Stress sind keine Entschuldigung für Gewalttätigkeit. Und Gewaltakte gegen Frauen sind selten einmalige Entgleisungen, sondern meist wiederkehrende Misshandlungen.
  • Sie weisen der Frau die Schuld und Verantwortung zu: „sie hat ihn provoziert“, „sie hat ihn sich doch ausgesucht“, „sie kann ihn doch verlassen“
    Aber: Kaum ein Mann ist gleich zu Beginn der Beziehung gewalttätig. Und was auch immer zwischen den beiden passiert – es legitimiert keine Gewalt. Trennung provoziert meist neue Gewalt und bürdet in der Regel der Frau zudem die Last der ungesicherten Existenz, den Verlust der sozialen und materiellen Sicherheit auf.
  • Sie geben der Gesellschaft das Recht, wegzusehen: „Familienstreitigkeiten sind doch Privatsache“.
    Aber: Eine Heiratsurkunde ist keine Erlaubnis zur Gewalt. Gewalttaten sind strafbare Handlungen sowohl außerhalb wie auch innerhalb des häuslichen Bereichs.

Häusliche Gewalt gegen Frauen wird kaum gesellschaftlich sanktioniert

Sie gilt als privates Problem, als Familienstreitigkeit. Die Täter bleiben meist unbehelligt und werden nicht zur Verantwortung gezogen. Die Öffentlichkeit und die gesellschaftlichen Institutionen dulden die Misshandlung von Frauen im häuslichen Bereich. Frauenhäuser und Zufluchtswohnungen sind ein erster Schritt in eine neue Richtung. Sie sind jedoch die einzigen Orte, an denen Frauen Schutz vor Gewalt und Unterstützung finden können.

Zur Bekämpfung der Gewalt brauchen wir mehr:

  • Wir brauchen eine Gesellschaft, die sich nicht aus der Verantwortung stiehlt, weil häusliche Gewalt gegen Frauen „Privatsache“ ist.
  • Wir brauchen eine Polizei, die häusliche Gewalt gegen Frauen als das sieht, was sie ist: kein Familienstreit, sondern eine strafbare Handlung, vor der das Opfer zu schützen ist.
  • Wir brauchen eine Justiz, die die Täter zur Verantwortung zieht.
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